April 2018

Das Akademische Integrationsprojekt erhält eine weitere Spende der Apobank-Stiftung! Zwei Studierende der Medizin: Yara Alyousef (Hannover) und Ahmad Allouz (Rostock) erhalten für die Dauer eines Jahres ein monatliches Stipendium von jeweils 300 Euro. Wir freuen uns mit den Stipendiaten und danken der Stiftung für die nun bereits drei Jahre währende finanzielle und ideelle Unterstützung.

Dezember 2017 bis März 2018

Ein Teilnehmer hat sehr erfolgreich das Studienkolleg M (Medizin) in Leipzig abgeschlossen und ist nach Rostock zurückgekehrt. Hier absolviert er nun ein Pflegepraktikum, bereitet sich auf TestAS und die Bewerbung um einen Studienplatz in Medizin vor. Im Sommersemester wird er als Gasthörer der Universitätsmedizin Anatomievorlesungen besuchen. Dieses Programm gilt auch für vier weitere Teilnehmer/innen, die bereits eine anerkannte Hochschulzulassung haben.

Zwei junge Männer haben eine Ausbildung zum Bauzeichner erfolgreich beendet (in München) bzw. die bereits anerkannte Ausbildung durch einen intensiven CAD Kurs erfolgreich ergänzt (in Hannover). Sie gehen jetzt weitere Schritte auf dem Weg in ein Bauingenieurstudium.

Heba Almurai, die bereits in Syrien einige Semester Pharmazie studiert hatte, erhielt die Zulassung für das Pharmaziestudium in Bonn und war auch bei der Zimmersuche erfolgreich.

Die allermeisten der 16 Studierenden medizinischer Fächer haben im Wintersemester sämtliche Prüfungen bestanden, viele von ihnen mit sehr guten Ergebnissen. Die Fachsprache ist für alle eine Herausforderung, die nur durch großen Fleiß zu bewältigen ist. Um hier mit einer Teilnehmerin zu sprechen: „Wofür die Deutschen eine Stunde benötigen, brauchen wir zwei“.  Gegeben die exzellenten Abiturergebnisse dieser Gruppe, kann aber davon ausgegangen werden, dass sie die notwendige Zielstrebigkeit für das Studium mitbringen. Lediglich in einem Fall haben eine schwere Erkrankung und die persönlichen Umstände, unter denen sie erfolgte (als Flüchtling ohne Familie in Deutschland) einen ansonsten sehr erfolgreichen Studienverlauf vorzeitig beendet.

Die Studierenden anderer Fächer haben nicht in allen Fällen eine so positive Bilanz. Die Anpassung an den deutlich anderen Lehrbetrieb an deutschen als an syrischen Universitäten fällt nicht immer leicht. Zudem sind die Anforderungen insbesondere in Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften bei uns (weit) höher. Zwei Bachelorstudenten der Ingenieurwissenschaften haben daher ihr Studium abgebrochen, ein weiterer Abbruch ist nicht auszuschließen.

Für 2018 besteht dringender finanzieller Bedarf. Das Rektorat der Uni Rostock hat dem Projekt im März 2018 erfreulicherweise erneut eine Unterstützung, diesmal  von 1.500 Euro, zukommen lassen. An die Stiftung der Ärzte- und Apothekerbank wurde ein weiterer Förderantrag gestellt, der noch nicht entschieden ist.

Mai bis November 2017

Zwei Jahre nach Beginn des Projektes mehren sich die Erfolge. Es gibt aber auch einige Rückschläge.

Zulassungen

Ab dem WS 17/18 nehmen 19 weitere Teilnehmer ein Studium auf oder setzen es fort: 13 davon in medizinischen Fächern (darunter vier Frauen), die anderen sechs in Ingenieurwissenschaften (unter ihnen eine Frau). Von den Anwärtern für medizinische Fächer begannen drei ihr Studium der Humanmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover und einer an der Uni Mainz; die restlichen neun studieren Medizin oder Zahnmedizin an der Uni Rostock, einer von ihnen vorerst als Gaststudent.  

Von den Ingenieuren begann einer das Aufbaustudium Bauingenieurwesen an der TU Dresden und ein zweiter den M.Sc. im gleichen Fach an der TU Berlin. Eine Teilnehmerin setzt ihr Studium des Maschinenbaus, ein Teilnehmer jenes der Informatik in Rostock fort. Zwei weitere Bachelor-Studierende haben in Deutschland von Bauingenieurwesen auf Elektrotechnik bzw. von Agrarwissenschaften auf Informatik umgesattelt und sind jetzt ebenfalls an der Uni Rostock immatrikuliert.

Sprachprüfungen

Die meisten der neu Immatrikulierten erwarben ihre Sprachzertifikate im Sommer 2017 auf dem erforderlichen Niveau, d.h. in der Regel C1, in wenigen Fällen auch nur B2. Fadel Alkhateeb, Nour Eddin al Sadat, Heba Almurai und Lilav Mohamad, die schon länger Deutsch lernten, schafften  das DSH 2 Zertifikat; ebenso Karim Baghdadi, der erst seit Ende 2016 Deutschunterricht hatte. Ahmad Almurai erzielte DSH 3 und war auch bei TestDaF sehr erfolgreich.

Alle acht Teilnehmer des „Sonderkurses Schreiben“ von Frau Ines Patzig nahmen im WS 17/18 ihr Studium eines medizinischen Faches auf. Neben den bereits erwähnten Teilnehmern waren die Schwestern Heba und Yara Alyousef sowie Abdulrhman Alahmad und Ahmad Allouz beim Spracherwerb besonders erfolgreich: Sie bestanden die DSH 2 Prüfung lange vor Kursende; Abdulrhman Alahmad bestand dazu auch noch TestDaF mit über 4x4.

Wir sind der Universität Greifswald, insbesondere der Leiterin des International Office, Frau Brandenburg, sowie Frau Herklotz vom Lektorat Deutsch für die 2017 gebotene Möglichkeit, die DSH Prüfung in ihrem Hause abzulegen, sehr dankbar. Bedauerlicherweise gibt es diese Möglichkeit 2018 nicht mehr.

Praktika

Sieben der nun studierenden Medizinstudenten haben in den letzten Monaten einen Teil oder ihr gesamtes obligatorisches Pflegepraktikum an Rostocker Universitätskliniken absolvieren können. Wir sind den Verantwortlichen und insbesondere Frau Müller sehr dankbar für die Vermittlung und Bereitstellung dieser Praktikumsplätze. Die Pflegearbeit fiel den syrischen (wie auch den deutschen) Praktikanten oft nicht leicht, sie lobten aber durchgehend die Unterstützung der Schwestern. Weitere fünf Projektteilnehmer/innen werden zum Jahreswechsel ihr Pflegepraktikum antreten.

Über den Sommer erhielt Fadel Alkhateeb die Chance eines zweimonatigen Praktikums bei dem Rostocker Unternehmen PM und beendete dieses erfolgreich. Danach absolvierte Ali Alhamoud bei  derselben Firma ein vierwöchiges Praktikum. Unternehmen wie die Rostocker Projektmanagement GmbH leisten mit ihrer Bereitschaft, Praktika anzubieten, einen wertvollen Beitrag zur fachlichen und sozialen Integration unserer Projektteilnehmer.

Es ist allerdings außerordentlich schwierig, die notwendige Erlaubnis des Jobcenters für das Ableisten unbezahlter  Praktika zu erhalten. Hier gibt es eine Lücke im System, das den Status „angehender Student“ beim Jobcenter nicht vorsieht. Das geht so weit, dass einige Teilnehmer des Deutsch-Intensivkurses am universitären Sprachenzentrum, der von der öffentlichen Hand finanziert wird, durch das Jobcenter aus dem Kurs genommen und in eine „Maßnahme“ gezwungen werden.

Auch für Nichtakademiker findet die Berufsorientierung oft nicht dank sondern trotz des Jobcenters statt. In einem Fall wurden Pflegepraktika eines jungen Mannes mit Berufswunsch Gesundheits- und Krankenpfleger regelrecht verboten, obwohl diese zum einen für die Bewerbung um einen Ausbildungsplatz notwendig sind und zum anderen auf seine Ausbildungszeit angerechnet würden; einer Posse gleich kommt, dass er stattdessen einen mehrmonatigen Kurs „Wie bewerbe ich mich erfolgreich um Praktika“ besuchen sollte.

Finanzen

Das Projekt erhielt im Frühsommer erneut eine Spende der Wissenschaftsstiftung MV in Höhe von 5.000 Euro; ohne diese wären die Ziele für 2017 nicht zu erreichen gewesen.

Ali Alhamoud hat als erster Projektteilnehmer ein Volksstipendium einer Stiftung erhalten; er wurde Stipendiat der Hans-Böckler-Stiftung.

Januar bis April 2017

Amjad Sawas und Raed Edilby, die bereits Pharmazie in Marburg bzw. Erlangen studieren, erhalten aus Mitteln der ApoBank Stiftung ein Stipendium von 300 Euro monatlich für die Dauer von einem Jahr. Raed Edilby wurde in das sechste Semester hochgestuft. Er absolvierte zwei Monate ein freiwilliges Praktikum in einer Erlanger Apotheke. Tarek Kharma und Mohammad Allaf traten im April wissenschaftliche Hilfskraftstellen an, ersterer allerdings nur für ein Semester.

Das Projekt erhält weitere finanzielle Unterstützung durch die ApoBank Stiftung und durch das Rektorat der Universität Rostock. Ein Großteil der Spenden fließt weiterhin in den Deutschunterricht. Insgesamt befinden sich mehr als die Hälfte der Projektteilnehmer/innen in mindestens einem Deutschkurs. Am 15. Februar startete ein aus Spenden finanzierter Sonderkurs „Schreiben in deutscher Sprache“, dem nun ein „Fortgeschrittenenkurs Schreiben“ und die Vorbereitung auf Zertifikatsprüfungen (TestDaF oder DSH) im Juni bzw. Juli 2017 folgen. Der Kurs umfasst acht Teilnehmer (vier Frauen und vier Männer) mit exzellenten Abiturnoten, die alle das Studium eines medizinischen Faches anstreben.

 

 

Ali Alhamoud und Fadel Alkhateeb bereiteten sich im Februar/März an der TU Braunschweig (kostenpflichtig) für die DSH Prüfung vor, die in Rostock nicht angeboten wird; während ersterer im März bestand und bereits sein Masterstudium Bauingenieurwesen antreten konnte, wird letzterer im Mai/Juni noch einen Wiederholerkurs belegen. Ziad Nameh fand in Dessau einen für ihn kostenlosen DSH Kurs.

Mit Nesrin Mohamad und Besher Kahjwali ist es zwei weiteren Teilnehmern des Projekts gelungen, den Übergang ins Studium zu schaffen: sie wurden an der Uni Rostock für den M.Sc. Dienstleistungsmanagement (mit Auflagen) zugelassen. Nesrin Mohamad hat  im März ein Praktikum bei der OSPA absolviert, Besher Kahjwali fand eine Hiwistelle in der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät. Marah Abdulaal hat ihr dreimonatiges Pflegepraktikum im Universitätsklinikum Rostock erfolgreich beendet. Yamen Bitar bestand die Aufnahmeprüfung in das Studienkolleg Richtung M (Medizin) in Sachsen mit sehr gutem Erfolg.  

Wir haben es geschafft, auch die letzten beiden Projektteilnehmer, die noch in den Sammelunterkünften wohnten, in eigene Zimmer zu vermitteln. Insgesamt ein guter Jahresanfang!