Materielle Beteiligung als Handlungsfeld von Betriebsräten

Erfahrungen, Einflussfaktoren und Wirkungen auf das Erleben und Verhalten der Mitarbeiter

Beteiligungsmodelle haben als Bestandteil von neuen Managementstrategien in den letzten Jahren wachsende Bedeutung erlangt. Mit Hilfe dieser Modelle hoffen Unternehmen u. a. eine größere Identifikation der Mitarbeiter mit den Unternehmenszielen, aber auch eine Steigerung der Motivation, der Eigenverantwortung und der Leistung erreichen zu können.

Im Projekt wird als These unterstellt, dass Betriebsräte eine wichtige "Promotorenrolle" bei der Einführung und Umsetzung sowie dauerhaften Aufrechterhaltung von Systemen der materiellen Mitarbeiterbeteiligung auf betrieblicher Ebene einnehmen können. Im Hinblick auf die Ausgestaltung dieser Rolle ist von großer Bedeutung, welche Einstellung Betriebsräte gegenüber materieller Mitarbeiterbeteiligung vertreten, über welchen Kenntnisstand zum Thema sie verfügen und welche praktischen Erfahrungen sie mit finanziellen Beteiligungssystemen in ihren Betrieben bereits sammeln konnten. Diese Faktoren bestimmen das Handlungsfeld der Betriebsräte bezüglich materieller Mitarbeiterbeteiligung.

Bislang liegen keine systematischen empirischen Befunde zu Einstellungen, Kenntnissen und den wahrgenommenen Handlungsmöglichkeiten des Betriebsrats bei materieller Mitarbeiterbeteiligung vor. Eine umfassende systematische Erfassung der Einflussfaktoren, die die Haltungen und Handlungsweisen der Betriebsräte bei materieller Mitarbeiterbeteiligung bestimmen, fehlt in der organisationspsychologisch ausgerichteten Forschung völlig. An dieses Forschungsdefizit – und an die aktuellen Diskussionen um finanzielle Mitarbeiterbeteiligung – knüpft das Projekt an. Im Zentrum steht das Erleben und Verhalten von Mitarbeitervertretern und Mitarbeitern im Zusammenhang mit materiellen Beteiligungssystemen. Ziel ist es, theoriegestützt und empirisch fundiert den Umgang von Betriebsräten mit der Ausgestaltung von Systemen materieller Mitarbeiterbeteiligung auf betrieblicher Ebene zu untersuchen.

Aus organisationspsychologischer Perspektive wird in einem ersten Schritt ermittelt, welche Aufgaben, Ziele und Handlungsmöglichkeiten Betriebsräte zu dieser Thematik in der Praxis wahrnehmen und welche Einstellung und Position sie dazu vertreten. Auf diese Weise soll das Handlungsfeld "materielle Mitarbeiterbeteiligung" für Betriebsräte bestimmt und messbar gemacht werden. Es soll analysiert werden, von welchen direkten Einflussgrößen hierbei das Erleben und Verhalten von Betriebsräten abhängig und welche moderierenden Größen darüber hinaus von Bedeutung sind. Kern dieses Teils der Analyse ist eine schriftliche Betriebsrätebefragung. Die Untersuchung ist als repräsentative Studie für Deutschland vorgesehen.

In einem zweiten Schritt werden in vier exemplarisch ausgewählten Unternehmen mit finanziellen Beteiligungsmodellen Fallstudien auf der Basis von Betriebsräte- und Mitarbeiterbefragungen durchgeführt. Als Untersuchungshypothese wird angenommen, dass der Betriebsrat durch seine Haltung und sein Handeln in Bezug auf materielle Mitarbeiterbeteiligung einen positiven Einfluss auf das Erleben und Verhalten der Mitarbeiter im Unternehmen ausübt. Es soll also untersucht werden, inwieweit die Rolle von Betriebsräten im Umgang und bei der Ausgestaltung von Systemen der materiellen Mitarbeiterbeteiligung mit den Anforderungen und Erwartungen der Mitarbeiter an Betriebsratsarbeit übereinstimmen. Darüber hinaus sollen die Auswirkungen dieser (Nicht-)Überstimmung auf das Erleben und Verhalten der Mitarbeiter im betrieblichen Handeln sowie auf ihre Einstellung gegenüber materieller Beteiligung und der Tätigkeit des Betriebsrats analysiert werden. Dazu sind die direkten und moderierenden Einflussgrößen zu ermitteln, die die Einschätzungen der Mitarbeiter bedingen (z. B. ihre Erwartungen, Wünsche, Vorstellungen und Ziele oder ihre Kenntnisse bezüglich materieller Beteiligung oder auch Aspekte auf der Unternehmensebene wie die Beteiligungskultur).

Projektlaufzeit:01.09.2008 - 31.08.2010
Projektförderer:Hans Böckler Stiftung (HBS), Düsseldorf
Förderkennzeichen:S-2008-140-2
Fördervolumen:€ 187.522,00
Projektpartner:WMP-Consult, Wilke, Maak & Partner, Hamburg