Lehrstuhlgeschichte

Die Wurzeln, Vorläufer und Anfänge des Lehrstuhls für ABWL: Unternehmensrechnung und Controlling bzw. der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Rostock

 

1419 bis heute: Ein Kurzüberblick

Seit Gründung der Universität Rostock mussten mehr als 400 Jahre vergehen, bis die Staatswissenschaften – als Vorläufer der Wirtschaftswissenschaften – fest etabliert wurden. 

  • 1760 wurde eine Professur für „Ökonomie und Kameralwissenschaften“ gegründet. 
  • 1789 folgte die erstmalige Besetzung der Professur für „Geschichte und Staatswissenschaften“.
  • Ab 1924 erlebten die Wirtschaftswissenschaften mit der Gründung der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät einen Aufschwung. Im WS 1927/28 waren zum Beispiel folgende Hörerzahlen gemeldet:
    • Volkswirtschaftslehre 52
    • Finanzwissenschaft 60
    • Betriebswirtschaftslehre 30
  • Im Zweiten Weltkrieg wurde die Lehrtätigkeit stark eingeschränkt und kam teilweise völlig zum Erliegen.
  • Nach 1945 gewannen die Wirtschaftswissenschaften zunehmend an Bedeutung. So verfügten sie – nach wechselnder Institutionalisierung – im Jahr 1990 bereits über 10 Lehrstühle. Im WS 2009/10 verfügen die vier Teilinstitute der WSF über insgesamt 26 Lehrstühle (inkl. Juniorprofessuren). Detaillierter Informationen auf über die aktuellen Studiengänge finden Sie unter www.wiwi.uni-rostock.de .

 

1924 bis heute: Einige Details

Die zunehmende Industrialisierung intensivierte im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts die Erforschung theoretischer Grundlagen der Unternehmensführung. In der Folge entstand zunächst eine praktisch orientierte Volkswirtschaftslehre, die sich binnen kurzer Zeit in zwei unterschiedliche Richtungen entwickelte: eine theoretisch orientierte Volkswirtschaftslehre und eine praktisch orientierte Betriebswirtschaftslehre.

 

An der Universität Rostock sind Ansätze einer betriebswirtschaftlichen Ausbildung erst ab dem WS 1920/21 erkennbar. In der Folge wurde 1939 ein Extraordinariat für Betriebswirtschaftslehre eingerichtet. 

 

1935 bis 1939

1935 gab das Reichsministerium zunächst einem Antrag der Universität Rostock auf Erhalt eines Lehrauftrags für BWL und 1939 einem Antrag auf dessen Umwandlung in einen BWL-Lehrstuhl statt. Diese Lehraufgaben übernahmen nacheinander Prof. Dr. Hohfeld, Diplom-Handelslehrer Seiler, Prof. Dr. Preiser sowie Prof. Dr. Gutenberg. Sie lehrten insbesondere Revisions- und Treuhandwesen sowie Buchhaltung.

 

1939 bis 1946

Zum ersten Inhaber eines Lehrstuhls für BWL an der Universität Rostock wurde 1941 – der bis dahin als Lehrbeauftragter tätige – Prof. Dr. Münstermann berufen. Sein Lehrveranstaltungsangebot umfasste von 1939 bis 1946 

  • die Vorlesungen 
    • „ABWL und Wirtschaftsprüfung“, 
    • „Kostentheorie“,
    • „Betriebliche Gründungs- und Erweiterungsplanung“ 
  • Übungen zur 
    • „Theorie der Unternehmen“, 
    • „Linearen und nicht linearen Programmierung“ und
    • „Jahresabschlußrechnung“.

 

1946 bis 1990

1946 wurden die Wirtschaftswissenschaften nach der Entnazifizierung nur noch durch einen Lehrstuhl repräsentiert. In der Folge verließ die Mehrzahl der einen wirtschaftswissenschaftlichen Studienabschluss anstrebenden Studenten die Universität Rostock.

 

1948 wurde die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät zunächst als wirtschaftswissenschaftliches Institut in die Gesellschaftswissenschaftliche Fakultät eingegliedert, gefolgt von der (Neu-) Gründung der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät im Frühjahr 1952. Sie erhielt 1955 das Promotionsrecht und bestand 1962 aus acht Instituten sowie acht Lehrstühlen.

 

1962 erfolgte eine Umprofilierung der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät in eine Ingenieurökonomische Fakultät mit den Fachrichtungen 

  • Industrieökonomie, 
  • Ingenieurökonomie, 
  • Volkswirtschaft, 
  • See- und Hafenwirtschaft sowie 
  • Binnenhandel.

 

1968 wurde die Ingenieurwissenschaftliche Fakultät in eine Sektion für Sozialistische Betriebswirtschaftslehre umgewandelt. Der eigene Wissenschaftsbereich „Rechnungsführung und Statistik“ entstand 1977.

 

Ende der Achtzigerjahre erfolgten Bestrebungen zur Neugestaltung des Studiengangs Ingenieurökonomie. Sie mündeten 1989 in die Berufung von Prof. Dr. Nebl auf einen Lehrstuhl für Ingenieurökonomie/Maschinenbau, um die fachrichtungsspezifischen Lehrinhalte zu stärken. 

 

Im Gegensatz zu ähnlichen Einrichtungen anderer ostdeutscher Universitäten wurde der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften nicht „abgewickelt“. Vielmehr konnte hier eine kontinuierliche Ausbildung gewährleistet werden. Neu für ein Direktstudium aufgebaut wurden die Studiengänge 

  • Betriebswirtschaftslehre, 
  • Wirtschaftsingenieurwesen, 
  • Wirtschaftsinformatik, 
  • Volkswirtschaftslehre und 
  • Wirtschaftspädagogik.

 

1992 bis heute

Mit der politischen Wende in der ehemaligen DDR wurde die Sektion Sozialistische Betriebswirtschaft an der Universität Rostock aufgelöst. 1991 folgte die Gründung der heutigen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät und 1992 die Berufung von Prof. Dr. Graßhoff auf den Lehrstuhl für ABWL: Rechnungswesen, Controlling und Wirtschaftsprüfung. 

 

Nach dessen Pensionierung im Jahr 2005 wurde Prof. Dr. Lorson 2007 auf den heutigen Lehrstuhl für ABWL: Unternehmensrechnung und Controlling berufen. Die Antrittsvorlesung (Unternehmensrechnung und Controlling zwischen Profil und Linie; in Auszügen veröffentlicht als Lorson_BilMoG_in_Accounting_3-2008.pdf) fand am 17. Januar 2008 statt. Wie bereits in der kurzen „Ära Münstermann“ stehen auch heute noch gleichermaßen interne Unternehmensrechnung/Controlling sowie externe Unternehmensrechnung/Wirtschaftsprüfung im Mittelpunkt von Forschung und Lehre. 

 

Quellennachweise:  

  • Recherchen von Bernhard Borchert im Archiv der Universität Rostock
  • 575 Jahre Universität Rostock. Hrsg. v. Rektor der Universität. Rostock 1994
  • Studien- und Prüfungsamt der WSF sowie Controlling der Universität Rostock

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