Robert Günther, Formation
Ausstellungsort: Nikolaikirche Rostock

Foto & Text: Antje Mickan

Landeskunstschau „formare“ zum Reformationsjubiläum (September 2017)

Vom 5. August bis 3. September 2017 fand in Rostock die 27. Schau des Künstlerbundes Mecklenburg-Vorpommern e. V. im BBK statt. Der Titel „formare“ öffnete das religionskulturelle Thema Reformation in entscheidender Weise für den freien künstlerischen Blick. Möglich wurde so, einerseits Werke auszustellen, die das, was bilden, formen und gestalten bedeutet, auf einer nicht ans historische Ereignis gebundenen Betrachtungsebene erfahren und reflektieren lassen. Andererseits war an den vier Ausstellungsorten – Kunstverein, Zentrum kirchlicher Dienste, Petrikirche und Nikolaikirche —, die mit ihrer Architektur, Möblierung und unterschiedlichen Nutzung charakteristische Zeichensysteme darstellen, ein Zusammenspiel der Exponate mit diesen Raumzeichen wie auch der Kunstobjekte untereinander sichtbar und damit Gelegenheit für den kritischen Dialog zwischen Positionen der Kunst und Religion gegeben. Letzterer setze sich u.a. in Form einer Podiumsdiskussion zum Bildverständnis in den Religionen (Christentum, Islam und Buddhismus) fort.

Ines Diederich, Hüterin des letzten Samens
Foto: Bodo Mickan
Text: Antje Mickan

Vernissage der Ausstellung „Vanitas“ in Templin (16.09.2017)

Kurz vor dem kalendarischen Herbstbeginn eröffneten Charlotte Bieligk, Ines Diederich, Christina Pohl und Sabine Kalicki ihre gemeinsame Ausstellung mit dem Titel „Vanitas“. Was Vergänglichkeit bedeuten kann, lassen sie über Malerei, Installationen, Fotografien und keramische Plastiken im Multikulturellen Centrum e.V. Templin noch bis zum 06. November 2017 anschaulich werden. Eine Vorstellung davon, was den im Grenzgebiet von Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg ansässigen und auch über die Initiative „Kunststück-Garten“ verbundenen Künstlerinnen als Inspiration für ihre Werke gedient haben mag, konnten Vernissage-Gäste am kommenden Tag bei einem Besuch in den geöffneten Gärten und Ateliers der vier gewinnen. Da sowohl das künstlerische Schaffen als auch die Rezeption der Exponate nicht ohne ein Nachsinnen über Unverfügbares zu denken ist, kann von einer spirituellen Dimension der hier gezeigten Kunst gesprochen werden.

Unterwegs auf dem Sietower Wandelweg und im Atelier Jeikner (01.09.2017)

Eine Art Verbindung aus kleinem Pilgerweg und Naturlehrpfad bietet der „Sietower Wandelweg“. Er wurde durch das Ehepaar Manfred und Christel Jeikner, das in Sietow-Dorf eine Atelier-Werkstatt betreibt, entworfen und mit beschilderten Stationen eingerichtet. An den Stationen können Empfehlungen für die Gehweise, für die Lenkung der Aufmerksamkeit, Einladungen zu bestimmten Handlungen (z.B. Umarmen eines Baumes) oder auch Informationen über das Ökosystem am Weg gelesen werden. Ergänzt ist das Ganze durch Zitate kulturgeschichtlich bedeutsamer Persönlichkeiten, die quasi als Meditationsaufgabe für den nächsten Streckenabschnitt dienen können. Wer nach dem Wandeln das Atelier besucht, kann dort neben farbenfroher Keramik ein kunsthandwerkliches Andenken erstehen. Die mit Naturfarben gefärbten Filzbilder enthalten bei den Jeikners alle mindestens einen eingearbeiteten Stein und sind mit einem Spruch verbunden.

Fotos & Text: Antje Mickan

Vernissage zur Ausstellung von Louise H. Scheunert in Jamies Café Galerie (25.08.2017)

Louise H. Scheunert, Thrown to the Center
Louise H. Scheunert, New Door
Fotos & Text: Antje Mickan

Um der Frage „Wie kann Kunst mit einer spirituellen Dimension beschrieben werden?“ näherzukommen, bot in diesem Sommer auch die Ausstellung von Louise H. Scheunert in Klütz Anschauungs- wie Reflexionsmaterial. Die Bilder der Künstlerin von der Ateliergemeinschaft „Kunst und Leben“ aus Damshagen scheinen psychische Prozesse oder Stationen und Erkenntnisse dieser Prozesse, die auf eine Auseinandersetzung mit Unverfügbarem bezogen sind, zeichenhaft sichtbar zu machen, ohne allzu konkrete Formen zu verwenden. So stellen diese Werke zusammen mit den ihnen gegebenen Titeln eine Einladung zur mehr oder weniger themengebundener Meditation dar.

Kunst-Landpartie durch Mecklenburg (18.06.2017)

Kulturhaus Mestlin
Sitz des Landesverbandes Kunsthandwerk MV e.V. in Rothen
Schloss Plüschow, Mecklenburgisches Künstlerhaus
Kreuzgang Kloster Rhena
Klosterfestival Rhena, Zirkuszelt
Fotos & Text: Antje Mickan

Kurz vor kalendarischem Sommerbeginn neigten sich in Mecklenburg bereits die ersten Kunstausstellungen der Saison dem Ende entgegen und der Klosterverein Rhena e. V. richtete sein alle zwei Jahre stattfindendes Festival aus. So lohnte sich eine Felderkundungstour ausgehend von Mestlin über Rothen und Plüschow nach Rhena. 

 

Mestlin: „Kunstlandschaft 7“ im Kulturhaus

Das große, leerstehende Kulturhaus am Marx-Engels-Platz im ehemaligen sozialistischen Musterdorf Mestlin wird vom Verein Denkmal Kultur Mestlin vor dem Verfall bewahrt und in seiner Funktion als Impulsgeber für Ort und Land neu mit Veranstaltungen aktiviert. Vom 25. März bis 18. Juni 2017 fand nun bereits zum siebten Mal die durch Andre van Uehm kuratierte Ausstellung „Kunstlandschaft“ mit Werken von Kunstschaffenden aus Norddeutschland statt. Auffällig war das starke Zusammenspiel der Exponate mit der von einer vergangenen Zeit zeugenden Gebäudeästhetik. Die Architektur des Kulturhauses außen wie innen zeigte sich als ein in ähnlicher Weise „schweres Kommunikationsmedium“ (Joachim Fischer) wie dies üblicherweise für Sakralbauten gilt: Ein sozialistischer Kulturtempel in dem die Uhren stillstehen, der eine Leere bietet, aus der aber über Kunst kritische Denkanstöße in die Gesellschaft ausgehen. In der Ausstellung aufgeworfene Fragen waren überwiegend sozial-ökologisch und -ökonomisch ausgerichtet, etwa: Was ist Natur? Wie wollen wir Leben? Woher kommt meine Perspektive? Was hat welchen (ökonomischen) Wert?

 

Rothen: 1. Biennale des Kunsthandwerks

Die „1. Biennale des Kunsthandwerks“ wurde unter Beteiligung dänischer Gäste der Arts & Crafts Association Bornholm durch den Landesverband Kunsthandwerk Mecklenburg-Vorpommern e. V. veranstaltet. Dieser Verein hat seinen Sitz in einem ehemals landwirtschaftlichen Gebäude auf dem „Rothener Hof,“ einem in privater Initiative restaurierten Ensemble mit Gutshaus. Wie für die Institution Gutshaus auch historisch typisch scheint hier durch die als Rothener Hof e. V. organisierten Akteurinnen und Akteuren eine Verbindung von Tradition und Avantgarde gelebt zu werden. Entsprechend zeigte die Ausstellung vom 3. Juni bis 3. Juli 2017 künstlerisch anspruchsvolle Werke aus Bereichen der Keramik, Glasgestaltung, Holzgestaltung, Korbflechterei, Schmuckgestaltung, Handweberei, Textildesign, Druckgrafik und Buchkunst, bildhauerische Metallgestaltung sowie Emailarbeit. Gegenstände, die zumindest vom Material her üblicherweise dem Gebrauch dienen, traten hier in überraschender Ästhetik als Kostbarkeiten in Erscheinung, ließen staunen und gaben Denkanstöße.

 

Plüschow: Farbe und Form

Im Mecklenburgischen Künstlerhaus Schloss Plüschow präsentierten vom 14. Mai bis 18. Juni aktuell in Mecklenburg-Vorpommern lebende und arbeitende Künstlerinnen und Künstler ihre Werke. Nicht anders als der Titel der Ausstellung „Farbe und Form — farbige Skulptur“ es chon andeutete, kam Kunst hier gewissermaßen zu sich selbst, stellte sich als freies Spiel von Ideen und Formgebungen in weitgehender Unabhängigkeit von technischen Konventionen dar. Und sie gab Rezipierenden damit Impulse zur ebenso freien Reflexion, gelegentlich allerdings doch durch einen Titel des Exponates gelenkt: bspw. „Freundeskreis [Geschlossene Gesellschaft]“ zu einer großen Holzinstallation mit (nicht) vorhandenen Zugängen von Holger Stark oder „Fishing for Beauty“ zu einem blaufarbigen Gebilde von Anne Hille, bei dem große Holzblüten an Angelruten zu hängen scheinen. Die Veranstaltung entsprach deutlich dem anspruchsvollen Konzept der Einrichtung Schloss Plüschow, bildender Kunst — wie im Gefolge auch der Ideenproduktion und Entwicklung des Landes — einen Raum neuer, besonderer Möglichkeiten zu eröffnen.

 

Rhena: Klosterfestival

Das zum Abschluss dieser Landpartie besuchte Klosterfestival erschien gegenüber den bisher gesehenen Ausstellungen mit ihren konsistenten Konzepten wie ein buntes Durcheinander und Gegeneinander der Kommunikations-, Erlebnis-, Kaufofferten. Biblische Geschichten im Rosengarten standen bspw. in Konkurrenz zu Zirkusvorstellungen, Stundengebete in der Klosterkirche zur „Gaukelei mit Gustav und Nikodemus“. Das Ganze war eingebettet in einen kirmesartigen Rahmen mit nostalgischem Kunsthandwerks- und Flohmarkt. Ob Religion hier als etwas Historisches rezipiert oder zum Leben Gehöriges praktiziert wurde, blieb ganz der individuellen Neigung überlassen. Passend zu diesem offenen Ansatz sind im Kreuzgang die folgenden Werte des überwiegend aus Kirchenmitgliedern bestehenden Klostervereins zu lesen, der das Festival vom 17./18. Juni 2017 ausgerichtet hat: „Kulturbewusstsein, Ideenreichtum, Weltoffenheit, Gemeinnutz, Unternehmermut, Kaufmannsgeist“.

Tagung „New rural geographies in Europe: actors, processes, policies“ in Braunschweig (14.-17.06.2017)

Hagen Fischer während der Präsentation
Foto: Andreas Klärner
Text: Martin Tulaszewski

Vom 14.-17. Juni 2017 fand im Thünen Institut Braunschweig die Tagung „New rural geographies in Europe: actors, processes, policies“ statt. Wir präsentierten dort Ergebnisse unserer Forschungsarbeit.

Während der Konferenz kam es zu einem intensiven interdisziplinären Austausch und wir erhielten anregende und positive Rückmeldungen auf unseren Vortrag „Markets of Singularities. Socio-cultural and religious networks in Mecklenburg-West Pomeranian“.

Zur Tagungshomepage gelangen Sie hier: RuralGeo2017

KunstOffen 2017 rund um die Sternberger Seenplatte (04./05.06.2917)

Wie es mittlerweile schon zur Tradition gehört, stellten zu Pfingsten wieder zahlreiche Kunst(handwerk)-schaffende vom Hobbymaler bis zur professionellen Keramikerin in ganz Mecklenburg-Vorpommern ihre Werke aus, luden zum persönlichen Gespräch ein und gewährten vielfach auch Einblicke in ihre Werkstätten. Andererseits nutzen aber auch Gemeinschaften über die Präsentation von Kunst die Gelegenheit, ihre eigenen Projekte der Öffentlichkeit nahezubringen. Die Feldbesuche unseres Teams konzentrierten sich dieses Jahr mit den Orten Lenzen, Woserin, Rothen und Mestlin auf die Sternberger Seenplatte sowie die südlich angrenzende Region: eine Bilderbuchlandschaft, die man sich als Schauplatz der Geschichten von Astrid Lindgren vorstellen kann. Auf Kopfstein bepflasterten Alleen setzt unweigerlich Entschleunigung ein und schafft Muße, die individuell hergerichteten Stätten wahrzunehmen. Dabei zeigte sich eine Belebung des Raumes über Produktionen von Kunst und Kunsthandwerk als ein Wechselspiel aus Traditionsanknüpfung und neuen Ideen sowie gemeinschaftlichen Aktionen.

Bushaltestelle in Woserin
Foto & Text: Antje Mickan
Forsthaus Aurea Arcadia bei Mestlin (Blick auf die Werkstätten)
Foto: Martin Tulaszewski

Esoterik & Naturheiltage-Messe in Rostock (24.02.2017)

Fotos und Text: Martin Tulaszewski

Wir besuchten die Messe am Freitag, 24.02.2017 in der OSPA-Arena in Rostock. Die Halle war in vier Reihen geteilt und in der Mitte befand sich ein sehr großer Büchertisch (ca. 15m x 5m). Während des Bummels über die Messe, kamen wir mit mehreren Ausstellern in spannende Gespräche.  Weiterhin besuchten wir die angebotenen Vorträge und Seminare.

Besuch auf Gut Saunstorf (14.02.2017)

Foto & Text: Martin Tulaszewski

Zu einem spontanen Besuch des Projektes auf Gut Saunstorf kam es am 14.02.2017. Trotz des unangemeldeten Termins nahm man sich die Zeit für eine kurze Führung durch die Räumlichkeiten und öffnete auch die hauseigene Buchhandlung. In einem interessanten Gespräch mit Martina Bartels konnten erste Fragen zum Haus und zur Gemeinschaft beantwortet werden.

Vernissage zur Bilderausstellung „Tierisch gut — abstrakte Farbwelten“ von Marianne Kindt im Levantehaus Hamburg (10. Januar 2017)

Drei Wochen lang im Januar 2017 präsentiert die Künstlerin Marianne Kindt aus Laage eine Auswahl ihrer farbenfrohen Acryl- und Ölbilder in der Galerie der stilvoll-nostalgischen Einkaufspassage Levantehaus Hamburg. Maritimes, Tierisches und Abstraktes bilden hier ein thematisches Ensemble, das durch eine kleine „Schar“ fröhlicher (Schutz-)Engel und Blumenbilder ergänzt wird. Dominant treten humorvoll und abstrahierend verfremdete Darstellungen von Kühen in Erscheinung, mit denen die Malerin besonders in der Schweiz erfolgreich ist. Mein bestimmender Eindruck als Besucherin dieser Vernissage verdichtet sich in dem, was Marianne Kindt bei ihren Eröffnungsworten zur Veranstaltung betont: dass sie insbesondere aus Freude am Schaffensprozess male, dabei auch mit ihren Leinwänden rede und mit ihren Bildern anderen Freude vermitteln wolle. Es darf daher in Bezug auf diese Werke von spiritueller Kunst gesprochen werden.

Fotos & Text: Antje Mickan

Martinsmarkt in der Nikolaikirche Rostock (20.10.16)

Dieser ca. drei Wochen vor dem traditionellen Martinstag stattfindende „Martinsmarkt“ (20.-22.11.2016) bietet seinen Besucherinnen und Besuchern eine warme Atmosphäre, wozu nicht nur die Ästhetik der Nikolaikirche, sondern auch die Stände mit einem relativ hohen Angebot an Wolle und in Handarbeit gefertigter warmer Kleidung beitragen. Ansonsten werden überwiegend Schmuck, Zier- und Gebrauchskeramik, Grafiken und Malereien sowie Holschnitzereien präsentiert, Bestellungen für Martinsgänse können aufgegeben und auch einige Lebensmittel gekauft werden. Von (Weihnachts-)Engelfiguren abgesehen sind in den Auslagen religionskulturelle Formen eher vereinzelt zu sehen. Für die Frage nach einem religionshybriden Raum auffällig ist die Einrichtung eines Standes mit Kunst aus Strandgut da, wo sich in Gemeindekirchen üblicherweise ein Altar befindet: an diesem exponierten Ort werden u.a. Steintürme angeboten, wie sie heute am Rand von Pilgerwegen üblich sind und in ähnlicher Gestalt auch im Buddhismus eine Art Altarfunktion innehaben. Organisiert wird dieser Mart von der Cityagentur Schumann (vgl. Kunsthandwerksmarkt in Graal-Müritz).

Fotos & Text: Antje Mickan

Mannaz - Dasein erleben e.V. - Besuch des Tags der offenen Tür (11.09.16)

Fotos & Text: Martin Tulaszewski

Am 11.09.16 besuchte das Projekt den Verein Mannaz an dessen Tag der offenen Tür in Leppin. Es wurden zahlreiche Vorträge angeboten und man kam mit den Initiatoren des Vereins ins Gespräch.

Ausstellung „Der geschundene Mensch“ von Günther Uecker in der Kunsthalle Rostock (07. und 09.09.16)

Foto & Text: Antje Mickan

Günther Uecker hat den Ausstellungsraum der Kunsthalle selbst mit seinen Gerätschaften eingerichtet und Ensemble geschaffen, die als Immersionsräume bezeichnet werden können. Über die teils überdimensionale Größe der Exponate und ihre Positionierung zueinander werden Besucherinnen und Besucher quasi in eine andere Welt, eben die geschundener Menschen, hineingenommen. An den Wänden auf Plakaten in Tusche geschriebene „Verletzungswörter“, fast ausschließlich biblischen Ursprungs, bestimmen die Interpretation dessen, was thematisiert wird. Sie lenken beim Betrachten der aus dem ländlichen Arbeitsalltag entlehnten Formen den Blick auf damit zusammenhängende Aspekte des Gewaltsamen für Mensch, Tier, Erdboden und sie bieten gleichzeitig Identifikationen mit leidenden Menschen an. Ein weißer Anstrich der Objekte sowie die zwei einzigen Nicht-Verletzungswörter der Ausstellung („trösten“ und „verbinden“) zeigen — zurückhaltend — die dem Künstler wichtige „Befriedung“ an. In der Kunsthalle wird durch Informationstafeln und eine Parallelausstellung über Lichtenhagen heute eine Verknüpfung mit einer Verfolgung von Asylbewerbern in Rostock-Lichtenhagen 1992 hergestellt, aus deren Anlass die Werkschau Ueckers in Rostock ein erstes Mal zu sehen war. Der religionskulturelle Anschlussdiskus findet über Videopräsentationen und Führungen Ausdruck.
Indem Befriedung ein von Uecker geäußerter Wunsch ist, der mit dieser Ausstellung und ihrer Reise durch über 40 Länder der Erde in Verbindung steht, setzt er damit ein menschheitsverbindendes Zeichen und hat performativ an Schaffung einer befriedeten Wirklichkeit teil.

Kunsthandwerksmarkt „Kunst-Formate“ auf dem Universitätsplatz und Klosterhof in Rostock (26.08.16)

Foto & Text: Antje Mickan

Bei diesem nur einmal jährlich von der Galerie Klosterformate ausgerichteten, zweitägigen Markt steht viel Schönes, Dekoratives zum Verkauf. Etwas mehr als die Hälfte der AusstellerInnen stammt aus Mecklenburg-Vorpommern. Präsentiert werden überwiegend die Waren, nicht die Kunsthandwerksakteure selbst. Vor dem Klosterhoftor allerdings hat ein Korbflechter seinen Stand aufgebaut. Er trägt traditionelle Korbmacherkleidung und stellt sein Handwerk aktiv vor. Auch hinter dem Tor haben eine Keramikerin und ein Metallgießer Schau- und Mitmachstände eingerichtet. Der Klosterhof bietet einen idyllischen Rahmen. Eine Country-Band sorgt darüber hinaus für eine Wohlfühlatmosphäre. Da eine religiöse Bespielung bzw. Aktivierung des ehemaligen Klosters und der Universitätskirche nicht stattfindet, wirken diese Gebäude als Baudenkmäler, kaum als Verkörperung religiöser Kommunikationen.

Aufführung der Waldszenen von Robert Schumann mit Puppenspiel im Klein Jasedower Klanghaus (20.08.16)

Foto & Text: Antje Mickan

Elisa (Flügel) und Mathias Bartozewski (Bühnenbild) vom Kulturhaus Steinfurth präsentieren an diesem Abend zusammen mit Julia Wegehaupt (Puppenspiel) eine Performance, die einleitend vom Vertreter der ausrichtenden „Europäischen Akademie für heilende Künste“ (EAHA) Klaus Holsten als „multi-media-cross“ bezeichnet wird. Beide Einrichtungen sind Mitglieder des Netzwerkes „Kräuter, Kunst und Himmelsaugen im Lassaner Winkel“ (s.u.). Die Klangbilder von Schumanns Waldszenen werden untermalt durch ein Bühnenbild, welches über einen Projektor illuminiert in wechselnden Farben und Formen erscheint. Dieses Zeigen von Bedeutung ergänzen die Akteurinnen über die Figur des Kaspers mit dem Sagen einer individuellen Interpretation. Das, was dieser Kasper von sich und seinem Erleben erzählt, berührt Fragen der Selbsterfahrung eines therapeutischen, beratenden oder supervisorischen Settings ebenso wie religionskulturelle Motive angesprochen werden. Und es erweckt den Eindruck eines nicht nur medialen, sondern auch kulturell-religiös-spirituell-therapeutischen Crossovers. Der Veranstaltungsrahmen trägt zu einer weiteren Komplexitätserhöhung der hier konstituierten Wirklichkeit bei, denn das Klanghaus wird besonders musiktherapeutisch genutzt und bildet quasi das Herz der Stiftung Zukunftswerk Klein Jasedow und seiner Trägerin, der EAHA.

Ausstellung „Traum und Trauma“ in der Kirche St. Johannis zu Lassan (20.08.16)

Foto & Text: Antje Mickan

Bilder zum Sujet Landschaft am Peenestrom wie auch zur inneren Verarbeitung von Ereignissen der Wendezeit von Harald Herzel sowie Eisen-Skulpturen von Peter Glas, die vielfach Umsetzungen mythischer oder christlicher Themen darstellen, korrespondierten in dieser Ausstellung auffällig deutlich miteinander und mit der Grundeinrichtung des Kirchenraums. Zumal im Eingangsbereich Plakate auf ökologische Fragen verweisen, zeigte sich hier ein Netz von sozialökologischen, -politischen, -religiösen und –psychologischen Diskursen, die dialogisch aufeinander bezogen werden konnten. Den Hintergrund für dieses dichte Ensemble bildet das Netzwerk „Kräuter, Kunst und Himmelsaugen im Lassaner Winkel“, in welchem die Kirchengemeinde St. Johannis ebenso Mitglied ist wie die Kuratorin der Ausstellung Ulrike Seidenschnur, welche die Exponate in Zusammenarbeit mit dem Pfarrer Dr. Reinhard Kuhl arrangierte.

„Kräuter-, Räucher-, Sommermarkt und Kunsthandwerkermarkt“ Schloss Ludwigsburg (20.08.16)

Im Schosshof von Ludwigsburg wäre an diesem Markttag noch viel Platz für weitere Stände. Insgesamt entspricht die Mischung des Angebots durchaus dem langen Titel der Veranstaltung. Etliches, was hier zum Verkauf steht, hätte es genau so oder in variierter Form auch schon vor 150 Jahren geben können. Auffällig ist, dass bei den landwirtschaftlichen Produkten keine „Bio-Produkte“ dabei sind. Handarbeiten sind stärker vertreten als Kunsthandwerk. Konstruiert wird (von mir) ein Nostalgieraum und Erinnerungsraum an eine vorindustrielle bis frühindustrielle Zeit, als Mensch, Arbeit und lebensnotwenige Umwelt noch in direkter Resonanz standen. Der Filz-Wollstand „Sorginchen“, der schon auf dem Kunsthandwerkermarkt in Graal-Müritz (s.u.) beteiligt war, bietet hier mit kleinen „Sorgenfressern“ (bauchige Filzkugeln u.a. gegen Daumenlutschen) und einem kleinen Mythos dazu etwas für das ‚Seelenheil‘, kuscheligen Trost und Halt.

Foto & Text: Antje Mickan

Ausstellung „Inneres Erleben“ von Grit Boss in Schwerin (17.08.16)

Die 70 überwiegend mit Acryl gemalten Bilder und sieben Skulpturen der Künstlerin und Kunsttherapeutin Grit Boss waren in der Kassenärztlichen Vereinigung Schwerin zu sehen. Sie lassen sich dem eigentlichen Bereich „Spirituelle Kunst“ zuordnen. Ein vielfach umgesetztes Sujet ist die Erfahrung von Tod, Trauer, Hoffnung und Suchen nach etwas wie Heilung, Sinn, Verbundenheit. In einigen Darstellungen sind Zitate religiöser, geschichtlich bedeutender Kunstwerke sowie traditionelle Zeichen christlicher und asiatischer Religionskultur eingearbeitet. Transzendenz wird durch Schemenhaftes, Licht/Schatteneffekte in offen interpretierbarer Form gezeigt. Grit Boss präsentiert ihre auffällig farbintensiven Werke auch in ihrem Internetblog. Eine Vernetzung mit anderen Kreativen ist hier nicht zu erkennen.

Kunsthandwerkermarkt in Warnemünde (28.07. und 15.09.16)

Foto & Text: Antje Mickan

Dieser Warnemünder Markt findet von Anfang Juni bis Mitte September alle zwei Wochen statt. Die Ausstellerinnen und Aussteller müssten sich untereinander gut zu kennen. An den Ständen sind viele markante Typen zu sehen, die ihr Metier anscheinend zu einer Lebensart gemacht haben. Die Atmosphäre wirkt entspannter als bei den großen Kunsthandwerksmärkten mit vielen überregional agierenden Beteiligten. In den Auslagen ist auch Esoterisches, Mythisches und die eine oder andere religiös bedeutsame Form zu sehen. Organisiert wird dieser Markt von der Kunsthandwerkerin Julia Miksch, die schon bei KunstOffen (s.u.) durch ihre deutliche Vernetzung auffiel.

Orgelkonzert in der Kirche Blankenhagen (27.07.16)

Das Besondere des Konzertes von Sebastian Heindl aus Sicht des Forschungsprojektes war weniger die zweifellos hohe Kunstfertigkeit des Jugend-musiziert-Preisträgers als die Zusammenarbeit des (säkularen) Vereins Kunst-Kiste Willershagen e. V. und der Kirchengemeinde Blankenhagen. Pfarrer Dr. Tobia Sarx und Kunst-Kisten Vorstand Rolf Reuter moderierten gemeinsam, Reuter trug ein selbst verfasstes Gedicht zur Veranstaltung bei und Sarx ein Abendgebet mit abschließendem Segen. Sebastian Heindl präsentierte überwiegend Werke geistlicher Musik und begleitete zwei Einlagen von Reuters Tochter Anne, die Lieder von Mozart auf der Geige spielte. Es handelte sich um eine im Sinne des Projektes zweifellos religionshybride Veranstaltung.

Ausstellung „Wasser trifft auf Metall“ und Vernissage zur Ausstellung „Der Mensch in Bewegung“ in Kühlungsborn (20. und 22.07.16)

Am letzten Tag der Ausstellung von Werken der Künstlerin und Innenarchitektin Janine Rafoth im 4G Schmuck Atelier Galerie Brepohl fand die Kunstschmiedin und Galeristin Claudia Brepohl Zeit, über die präsentierte Raumeinrichtung zu sprechen und auch einzelne Objekte zu deuten. In den Blick kamen dabei auch eigene Fotografien und besondere Schmuckstücke, die am großen Werktisch im Atelier entstanden sein werden. Die mögliche Verbindung zwischen Raumeinrichtung und zum Verkauf stehender Produkten schien von der Akteurin reflektiert und bewusst konstruiert zu sein. Rafoths auf alten Segeln mit Spachtel, Schwamm und Acrylfarbe geschaffene Darstellungen von Seglern konnten bereits zu KunstOffen (s.u.) in ihrem Bad Doberaner Atelier besichtigt werden. Die von ihr eingefangene Dynamik stellt ein verbindendes Element zu den Werken von Eberhard Bitter dar, welche in der Galerie Brepohl Rafoths Bilder ablösten. Bei der Vernissage zur Ausstellung „Der Mensch in Bewegung“ war der Wuppertaler Künstler selbst anwesend.

Kunsthandwerkermärkte in Wustrow und Graal-Müritz (17.07.16)

Die zeitgleich (15.-17.07.16) in den Seebädern Wustrow und Graal-Müritz stattfindenden Märkte wurden von zwei Agenturen mit unterschiedlichem Aktionsrahmen veranstaltet, was eine leichte Differenz des Angebots zur Folge hatte. Während „Handgemacht-Märkte für Kunsthandwerk und Kurioses“(Wustrow) im ganzen norddeutschen Raum organisatorisch tätig ist, ohne sich über das Kriterium des Handgemachten hinaus in irgendeiner Weise zu spezialisieren, beschränkt sich die Cityagentur Schuhmann (Graal-Müritz) auf Orte in Mecklenburg-Vorpommern und hier speziell auf Märkte in einem sakralen oder auf andere Weise besonders auratisierten Ambiente. In Graal-Müritz fielen einige Stände auf, an denen regionale Bezüge und mythisch-phantasievolle Gestalten sich als bedeutsam zeigten, darunter der des Erzählers, Autors eines neuen Regionalmärchens und Vorsitzenden des Vereins Kunst-Kiste Willershagen e. V. Rolf Reuter.

Rostocker Kunstnacht (27.05.16)

In der östlichen Altstadt Rostocks bieten an diesem Abend Hotels, Geschäfte, Studios, Kirchen und diverse andere Einrichtungen in ihren Räumlichkeiten Kunst und Kunsthandwerkliches an, teils als Performance, teils als Ausstellung, teils zum Verkauf. Splitter religiöser Kommunikation, etwa das Einbinden der Kreuzessymbolik in eine Fotostory, Transzendenzverweise im Konzert ehemaliger HMT-Absolventen oder das Glasengel-Angebot in der Nikolaikirche, mischen sich dezent in ein großes Kulturangebot.

KunstOffen in MV (14.-16.05.16)

Eine erste Gelegenheit zur Felderkundung im Modul Kunsthandwerk und spirituelle Kunst bot die landesweit jährlich zu Pfingsten stattfindende Veranstaltung „KunstOffen“. Etliche hundert Kreative in Mecklenburg-Vorpommern öffneten ihre Ateliers oder Ausstellungsräume und standen für Gespräche zur Verfügung. In Bad Doberan und der Rostocker Umgebung wurden insgesamt 16 Kunst- und Kunsthandwerksausstellungen besucht. Besonders auffällig war die durchgängig anzutreffende Betonung, dass es sich bei den Waren um Unikate handle. Explizit Religiöses zeigte sich eher selten, häufiger dagegen eine Auratisierung der Werke durch ihre Einbindung in zeichenhafte Raumensemble. Alte Häuser, mythische Gärten, Klostergelände, ein Steinkreis im Quellgebiet, altes Segeltuch als Malgrundlage oder altes Handwerksgerät bildeten Ausstellungskontexte mit mythisch-sagenhafter oder regionalgeschichtlicher Bedeutung, teils auch mit humorvoll-komisch oder poetisch anmutendem Charakter. Darüber hinaus fielen Ateliergemeinschaften und eine Netzwerkgruppe mit Verbindungen zum Warnemünder Kunsthandwerkermarkt auf.

Kontakt

Anschrift
Universität Rostock
DFG-Projekt "Märkte des Besonderen"
Universitätsplatz 1 / R 025
18055 Rostock

Telefon
+49 (381) 498 8408

Email
kontakt.mdb(at)uni-rostock.de