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Dass die gesellschaftliche Pluralisierung auch zu religionskulturellen Transformationsprozessen führt, ist weithin unstrittig. Kollektive Sinn gebungen differenzieren sich aus zugunsten stark individualisierter Gewissheitskommunikationen.

Neben dem kirchlich institutionalisierten Religionssystem gewinnt die subjektive Orientierung innerhalb einer im weitesten Sinne religiösen Praxis an Bedeutung.

Die klassische Säkularisierungsthese setzte dabei einen Konnex von Modernität und Säkularisierung voraus und kon statierte einen zunehmenden gesellschaftlichen Bedeutungsverlust von Religion, ohne dabei jedoch die Möglichkeit eines Gestaltwandels in Betracht zu ziehen. 

Dagegen wird innerhalb der empirischen Religionsforschung zunehmend die Ansicht vertreten, dass neue Religionsformen sich nicht nur in Unbestimmtheit und „Unsichtbarkeit“ (T. Luckmann) artikulieren, sondern auch in offenen Formen einer weithin wenig beachteten Religionsproduktivität. Religiöse Sinnsichten regredieren am Ort des Subjekts keineswegs nur in Privatheit und Indifferenz.

Bei den von uns im Rahmen eines DFG-Projekts untersuchten „Religionshybriden“ verlagert sich Religion aus dem Zentrum der kulturellen Wahrnehmung hinein in bestimmte Szenen, die durch Neuordnungen und Neuvernetzungen gekennzeichnet sind. Das auf den ersten Blick religionsabstinente Subjekt versucht sich in posttraditionalen Vergemeinschaftungen, die sich um eine geteilte performative Fest- und Alltagspraxis herum konstituieren.

Auf dieser Tagung soll die Dialektik der spät- bzw. nachchristlichen Religionskulturen thematisch werden mit Blick auf die sozialen Formen (z.B. Organisationen, Gemeinschaften, Märkte, Vernetzungen), die sich aktuell empirisch abzeichnen. Dabei sind in einem interdisziplinären Zugriff aus soziologischer, praktisch-theologischer und religionswissenschaftlicher Perspektive jene Prozesse und Phänomene zu diskutieren, in denen sich außeralltägliches Charisma (M. Weber) in soziale Routinen verwandelt. 


[Programm]

Freitag, 29. November 2013

15:00–15:30 Ankommen/Begrüßung

15:30–16:45 Semantik der Spiritualität – empirische Befunde
PROF. DR. HEINZ STREIB/Religionspsychologie, Universität Bielefeld

17:00–18:15 Die sanften Übergänge von Spiritualität und Medizin. Pragmatiken und Deutungen
PROF. DR. DR. PHIL. HARALD WALACH/Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften, Europa-Universität Viadrina, Frankfurt/Oder

18:30–19:45 Social Entrepreneurship. Projekte als Indikator für einen Hybridisierungstrend
PROF. DR. ROLF G. HEINZE/Allgemeine Soziologie, Universität Bochum

Abendessen

Samstag, 30. November 2013

9:00–10:15 Märkte des Besonderen
PROF. DR. ANDREA MAURER/Soziologie, Trier

10:30–11:45 Vergemeinschaftung und Sinngebung durch Kunst
PROF. DR. JOHANNES STÜCKELBERGER/Kunstgeschichte, Theol. Fakultät, Bern

12:00–13:15 Konfessionslosigkeit in Norddeutschland. Zu einer empirischen Untersuchung
DR. CLAUDIA WUSTMANN/Arbeitsstelle ‚Kirche im Dialog’, Rostock

Mittagessen/Lunch-Pakete

Discussant: PROF. DR. CHRISTOPH BOCHINGER/Religionswissenschaft, Universität Bayreuth


[Anmeldungen und Tagungsorganisation]

Thomas Käckenmeister, M.A.
Universität Rostock
Projekt „Religionshybride“
Ulmenstr. 69 / Haus 1 / R301
D - 18057 Rostock
+49 (381) 498 4366

kontakt@religionshybride.de

Ort: Beratungsraum des Kanzlers, Schwaansche Str. 2 (EG), 18055 Rostock

Die Teilnahme für Tagungsgäste ist kostenlos, erfordert allerdings eine schriftliche Anmeldung bei o. g. Anschrift oder per Mail. Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung tragen die Tagungsgäste selbst. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

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Tagungen

Im Hinblick auf den Forschungsgegenstand des DFG-Projektes "Religionshybride – Kirchbauvereine, Gutshausvereine und alternative Gemeinschaften in Mecklenburg-Vorpommern" sind folgende Tagungen von besonderer Relevanz:

1. - 5. Oktober 2012 - Religionshybride – Religionsproduktivität posttraditionaler Vergemeinschaftungen? - Bochum / Dortmund

Die dynamischen Gesellschaften inhärente Vielfalt bringt nicht nur eine Fülle von Formen des familiären Zusammenlebens, von Beschäftigungsmodellen, kulturellen Angeboten und Kommunikationsmöglichkeiten mit sich. Sie äußert sich auch in einem zunehmend breiteren Spektrum religiöser und „religioider“ (G. Simmel) Formen gerade außerhalb des funktional aus­dif­ferenzierten Bereichs der institutionalisierten Religion bzw. der von der säkularisierten Mo­derne anerkannten religiösen Sphäre. Während in den posttraditionalen Gesellschaften die Kirchen als traditionelle Form der institutionalisierten Religion weiterhin mit gesamtge­sell­schaftlichem Bedeutungsverlust und Mitgliederschwund konfrontiert sind, bilden sich immer wieder neue „Religionshybride“ heraus. Damit sind religiöse oder religioide Formen gemeint, die ihren performativen Ausdruck vorzugsweise im Rahmen der Populärkultur in Festen und Events finden.

Der Transformationsprozess der Religion in hochmodernen Gesellschaften erscheint als ein mehrdimensionaler Vorgang mit mehreren Teilprozessen:

  • Hybridisierung als „Entgrenzung, Grenzvermischung und Grenzverwischung“
    (M. Junge) zwischen der religiösen und anderen Sphären des sozialen Lebens
  • Mediatisierung, Eventisierung und Umformung als Bestandteil der „Populärkultur“
    (H. Knoblauch)
  • Posttraditionalisierung im Spannungsfeld von Auflösung und Wiedererfindung von Traditionen und Wiedervergemeinschaftung in Form affektiver Wahlgemeinschaften (R. Hitzler)

Primär affektiv-ästhetische posttraditionale Vergemeinschaftungen tragen mit der Erfindung eigener Mythen und Rituale zur „Wiederverzauberung“ der Moderne bei, so Michel Maffesoli am Beispiel der „Neo-Stämme“. Obwohl nicht primär religiös motiviert und oftmals weder sich selbst als religiös wahrnehmend noch als religiös wahrgenommen, können sie dennoch den Charakter religiöser oder religioider Vergemeinschaftung in sich tragen, wie es der Ver­gleich der jugendkulturellen Vergemeinschaftung „Fusion-Festival“ (Mecklenburg-Vorpom­mern) mit einem katholischen Weltjugendtag deutlich zeigt (R. Hitzler/B. Kirchner). Am Beispiel der „Stämme von Köln“ (A. Dreschke) zeigt sich sogar ein Prozess des Bewusstwerdens dieser religiösen Dimension bis hin zur Erfindung einer eigenen außerkirchlichen Religion in der Form eines posttraditionalen Schamanismus.

Die geplante Ad-hoc-Gruppe „Religionshybride – Religionsproduktivität posttraditionaler Ver­gemeinschaftungen?“ wird sich unter anderem folgenden Fragestellungen widmen:

  • Welche Bedeutung haben Formen und Prozesse posttraditionaler Vergemeinschaftung für die Entwicklung von Religion in der Gegenwartsgesellschaft?
  • Inwiefern können posttraditionale Vergemeinschaftungen eine alternative Form der Religiosität zur institutionalisierten Religion darstellen?
  • Welche Formen von primär religiösen posttraditionalen Vergemeinschaftungen entstehen (innerhalb der religiösen Sphäre) und welche Ausprägungen von religionshybriden Vergemeinschaftungen entwickeln sich (außerhalb der religiösen Sphäre)?
  • Wie entwickeln primär nichtreligiöse Vergemeinschaftungen im Handeln eine explizite Religiosität? Welche Prozesse bestimmen die Transformation von nicht-religiös zu religiös?
  • Unter welchen Bedingungen können Feste und Events als flüchtige Momente der Religionsproduktivität gedeutet werden?

Die Ad-hoc-Gruppe findet statt am: Dienstag, 02.10.2012, 14:15-17:00 Uhr GABF 04/255

Weitere Informationen:

siehe hierzu Website: Link


5. - 8. September 2012 - Culture, Communication and Creativity - Berlin

In cooperation with the European Sociological Association Research Network “Sociology of Culture” and the Wissenschaftszentrum Berlin we are organizing a conference on Culture, Communication in Berlin, from 5-8 September 2012. The aims of the conference will be 

(1) to encourage reflection on general theoretical and cultural aspects of (empirical studies of) creativity, 

(2) to discuss general recent theories of culture from different cultural backgrounds in the face of empirical studies of creativity and culture. Finally, the conference aims 

(3) at relating both these issues to the changing role of communication, which is rarely respected within the study of culture and creativity. Given the far reaching transformation of communication and culture by the new information technologies in the last decades, it is rather surprising that the transformation of the structure of communication has not been taken more into consideration as one of the most decisive aspects of the new “productivity” of culture. This does not refer to the role of media and particularly “mass media culture”. Both have been studied to an extensive degree. The focus here lies on the ways in which communication is transformed by (but not only) the new media (which has been called, among others, mediatization) and created what may be called a new “communication culture”. Communication shall, therefore, function as a link between the notion of culture and creativity. 

The conference will attempt to relate the three notions. While culture, cultural theory and the sociology of culture (or cultural sociology) provide for the general frame of the conference, studies on creativity will be the specific empirical field of research. Communication, i.e. the ways how creativity becomes expressed and thus socially “visible” to others, will provide the focus for both and the third pillar of the conference. Since the combination of the three topics is not the starting point of the conference but, hopefully, its potential result, this general concept can be translated into a more concrete structure of the conference. The goal of the conference is to link the three topics, theories of culture, empirical studies of creativity and analyses of the effects of communication and mediatization on culture and creativity.

A number of key note speakers are invited to the conference, including Nick Couldry, Antoine Hennion, Andreas Hepp, Michael Hutter, Mark Jacobs, Karin Knorr, Rudi Laermans, Geert Lovink, Celia Lury, Knut Lundby, Tia de Nora, Andy Pratt, Andreas Reckwitz and Anna-Lisa Tota.

Weitere Informationen:
siehe hierzu Website: Link

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3. - 5. September 2012 - Transformations of the Sacred in Europe and Beyond - Potsdam

The thesis of secularization, once sheer uncontested in the social sciences, is increasingly under fire. Secularization is nowadays often deconstructed as an ideology or mere wish dream that is intimately connected to the rationalist ambitions of modern Enlightenment. Such alleged blurring of morality and science, of what ‘is’ and what ‘ought’, informing sociological analysis obviously obscures clear sight on recent developments in the Western world.
 
Countless empirical and theoretical studies convincingly demonstrate that religion is alive and well in Europe and beyond. Particularly after the attacks of 9/11 in 2001, religious identities have become salient in a situation of cultural polarization and religious pluralization. Moreover, we are witnessing a trend towards ‘believing without belonging’ (Davie, 1994) and – particularly in those European countries that are most secular – a shift from organized religion to ‘spiritualities of life’ (e.g., Heelas and Woodhead, 2005), paganism and ‘popular religion’ (Knoblauch, 2009). And although the thesis of secularization has always been highly problematic from a non-European or global perspective, the rapid globalization of Islam and the Evangelical upsurge – especially in Africa, Latin America and East Asia – fly in the face of the long-held expectation that religion is doomed to be a marginal or socially insignificant phenomenon.
 
Evidently, then, the focus of sociological analysis has shifted over the last decades from religious decline to religious change. More than that: it is theorized that we are living in a “post-secular society” (Habermas, 2005) where religion is re-vitalized, de-privatized and increasingly influences politics, voting behavior, matters of the state and ethical debates in the public domain (e.g., Casanova, 1994). Motivated by such observations, the mid-term conference calls for papers addressing changes in the field of religion and, more in particular, transformations of the sacred in Europe and beyond.

Weitere Informationen:

siehe hierzu Website: Link

Hinweis:

Unser Mitarbeiter Dr. Arnaud Liszka wird auf dieser Konferenz einen Vortrag halten zum Thema: From religion of heritage to geomancy.


1./ 2. Juni 2012 - Religion, space and diversity – negotiating the religious in the public sphere - Göttingen

7th International Colloquium on the Changing Religious Landscape of Europe

Annual Meeting of the Working of Geography of Religion in the German Society for Geography (DGfG) in co-operation with Max Planck Institute for the Study of Religious and Ethnic Diversity, Göttingen

More than a decade after 9/11 the question arises as to how religion is negotiated in the public realm – both in the spatial and the sociological sense. We assume that this question cannot be answered in a standardized way for different regions, subjects and religious phenomena, and that even contradictory tendencies may become evident. This conference is devoted to the following questions:

  • Which claims are formulated by religious institutions and associations themselves in the public domain and in different public spheres?
  • How do normative claims of religions affect the public sphere?
  • How are these claims negotiated, accepted or refuted by social actors including the state in an increasingly diverse environment, and how are these claims represented in the media?
  • How do representations of different religious phenomena and of religious diversity in the media and in the urban landscape influence each other?
  • What is the place of religion in Europe today? How are national and regional identities, and also the future of Europe discursively shaped by religion? 
  • How is Europe perceived by the rest of the world in terms of religion?
  • How are religious actors and institutions reacting to phenomena like the increasing reserve towards Islam in Europe?
  • Is there a clear, non-ambiguous stagnation or decline of established forms of Christianity in Europe, or are there (also) signs of revitalization? 
  • What are the most manifest forms of stagnation or revitalization? 
  • What is happening and will happen with church buildings in religiously changing European societies?
  • What roles do religious communities of migrants play for the societies where they live and their countries of origin?
  • How are different aspects of the religious “mappable”?
  • The conference is the seventh event in the conference series “The Changing Religious Landscape in Europe”. 

However, papers with a non-European focus, theoretical inputs and conceptual approaches to a Geography of religion are also welcome. Conference languages are English and German.

Hinweis:
Unsere Mitarbeiter Dr. Arnaud Liszka, Marlen Schröder und Thomas Käckenmeister werden auf diesem Colloquium einen Vortrag halten zum Thema: What future for church buildings in a highly secularized state of eastern Germany. 

Weitere Informationen: 
siehe hierzu Website: Link

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24./ 25. Februar 2012 - Religionshybride – Religionsproduktiviät posttraditionaler Gemeinschaften? - Rostock

Workshop-Plakat
Yoga-Festival auf Schloss Daschow mit Gong-Meditation. Foto: A. Liszka
Klosterfest in Rehna; Mönch Ernestus und zwei Tempelritter. Foto: M. Schröder

Posttraditionale Gemeinschaften tragen durch die Erschaffung locozentrischer Utopien mit eigenen Mythen und Ritualen zur Wiederverzauberung der späten Moderne bei, so der französische Soziologe Michel Maffesoli.

Im säkularisierten Bundesland Mecklenburg-Vorpommern haben sich mit Kirchbauvereinen, Gutshausvereinen und alternativen Gemeinschaften neue Formen posttraditionaler Gemeinschaften an symbolischen Orten in ländlichen Gebieten angesiedelt.

In dem Forschungsprojekt wird untersucht, inwiefern diese Gemeinschaften Ausdrucksgestalten einer Religionsproduktivität darstellen bzw. ob sich über eine religionshybride Kultur neue Formen von Religion oder religiös überformte Lebensstile jenseits institutionalisierter Religionspraktiken herausbilden. Im Workshop sollen unterschiedliche Perspektiven auf dieses diffuse Feld geworfen werden. Dazu werden verschiedene disziplinär gebundene Sichtweisen miteinander ins Gespräch gebracht. Der Diskurs ist offen angelegt. 

Der Workshop ist in drei Themenkomplexe gegliedert:

1. wird die empirische Sicht auf eine kreative Kultur-Wirtschaft auf dem Land eröffnet. Dabei stehen kreative Projekte und (Lebens-)Künstler in ländlichen Gebieten Ostdeutschlands im Fokus.

2. wird Religionshybridität am Beispiel posttraditionaler Festkulturen thematisiert. Hierbei sollen transzendenz-orientierte Ausdrucksweisen, posttraditionale Vergemeinschaftungsformen und außeralltägliche Erfahrungen beleuchtet werden.

3. werden posttraditionale Utopien von Gemeinschaft in den Vordergrund gerückt. Hier geht es um temporäre Orte als Utopien der posttraditionalen Heimat und als heilende Gemeinschaften.

Gesprächspartner aus den Bereichen Kulturwissenschaft, Religionswissenschaft, Soziologie, Theologie sowie Akteure sind eingeladen, ihre Sichtweisen einzubringen und übergreifende theologische und religionssoziologische Konzepte zu diskutieren. Darüber hinaus wird ein Überblick über den aktuellen Stand des Projektes geliefert und erste Ergebnisse sollen in einem breiteren Kontext erörtert werden.

Programm (Stand 22.02.2012):

Freitag, 24.02.2012

10.15 - 11.00 Uhr: 
Thomas Käckenmeister / Arnaud Liszka / Marlen Schröder (Rostock):
Mittelaltermärkte, Apfelfeste und Mönch Ernestus – Spuren der Wiederverzauberung?

11.00 - 11.45 Uhr: 
Julia Gabler / Andreas Willisch (Thünen-Institut, Bollewick): 
Das Überleben in schrumpfenden Regionen und die Quellen von Neuheit

11.45 - 12.30 Uhr: 
Peter Dehne (Neubrandenburg): 
Raumpioniere. Lichter im Nirgendwo, Parallelwelten in der Peripherie oder Retter des ländlichen Raums?

14.30 - 15.15 Uhr: 
Hubert Knoblauch (Berlin): 
Der Papst in Berlin. Die Mediatisierung der Religion

15.15 - 16.00 Uhr: 
Sebastian Schüler (Greifswald): 
Von Religionshybriden und moderner Spiritualität – Einige Überlegungen zur Erforschung von „produktiven“ Gegenwartsreligionen

16.30 - 17.15 Uhr: 
Winfried Gebhardt (Koblenz-Landau):
Die Selbstermächtigung des religiösen Subjekts. Die Verszenung der Kirchen und die Eventisierung der Religion

Sonnabend, 25.02.2012

9.30 - 10.15 Uhr: 
Reiner Keller (Augsburg): 
“Break on through (to the other side)?” Neo-tribale Vergemeinschaftung und die Verstetigung des Orgiasmus

10.15 - 11.00 Uhr: 
Iris Kunze (Wien): 
Experimentierorte für sozial-ökologische Lebensweisen: intentionale Gemeinschaften als „Heilungsbiotope“?

11.30 - 12.15 Uhr:
Yvonne Niekrenz (Rostock): 
Das Flüchtige greifen – Determinanten und Materialitäten von Festkulturen. Ein Vorschlag zur Analyse außeralltäglicher Gesellungsformen

12.15 - 13.00 Uhr:
Babette Kirchner / Ronald Hitzler (Dortmund): 
Verrückungen, Verzückungen und Verrenkungen. Posttraditionale Vergemeinschaftungen durch religiöse Efferveszenzen

Teilnahme
Kostenlose Teilnahme für interessierte Wissenschaftler und fortgeschrittene Studierende nach vorheriger Anmeldung bis spätestens 20. Februar 2012!

Weitere Informationen
siehe hierzu Flyer zum Workshop: Link
siehe Rückblick Religionshybride Workshop: Link

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Mit der 'Wiederkehr der Religion' und dem religious turn in den Kulturwissenschaften ist auch das Konzept der Säkularisierung wieder zentral geworden. Einmal mehr wird mit dieser 'Wiederkehr' das säkulare Selbstverständnis des Westens in Frage gestellt. Erneut steht zur Debatte, wie genau jener Prozess zu beschreiben ist, als dessen Resultat sich die moderne Welt dargestellt hat. Gerade von heute aus zeigt sich, dass die Idee der Säkularisierung keinesfalls eindeutig ist und sich nicht einfach auf 'Entzauberung' der Welt (Max Weber) oder 'Übertragung' religiöser Bedeutung (Carl Schmitt) reduzieren lässt. Das Konzept der Säkularisierung war und ist vielmehr Gegenstand heftiger Debatten, in denen höchst verschiedene Positionen und Disziplinen ihre jeweiligen Konzeptionen und Deutungsmuster entwickeln. Durch diese Arbeit am Begriff – Umbesetzungen und Reformulierungen, im- und explizite Polemiken, Abgrenzungen und Überbietungen – wird die Idee der Säkularisierung immer stärker überdeterminiert. Wenn sie uns heute als Mastertrope, als große Erzählung der Moderne erscheint, ist das auch deshalb möglich, weil sich unter ihrem Titel ganz verschiedene Ideen über die Genealogie der Gegenwart versammeln können.

Diese Vielfalt und Vieldeutigkeit ist Gegenstand des Workshops. Er will an konkreten Fallstudien die weniger prominenten und heute oft vergessenen Konzeptionen von Säkularisierung samt ihren Abweichungen, Variationen und Inversionen der Grundfiguren des Säkularisierungsdiskurses diskutieren. Ziel ist es, ein breit gefächertes Bild in historischer Perspektive zu gewinnen, um zum verbesserten Verständnis gegenwärtiger Debatten beizutragen.

weitere Informationen: 
siehe hierzu Website des Zentrums für Literatur- und Kulturforschung Berlin: Link

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8. bis 10. Dezember 2011 - Die Form des Milieus – Zum Verhältnis zwischen gesellschaftlicher Differenzierung und Formen der Vergemeinschaftung - Münster

Milieuanalyse und Differenzierungstheorie haben wechselseitige Implikationen: Welche neuen Typen oder Formen sozialer Milieus entstehen im Horizont einer multipel differenzierten Weltgesellschaft — wie hängen unterschiedliche Begriffe des „sozialen Milieus” mit der Makroanalyse sozialer Differenzierung zusammen?

Soziale Milieus liegen als „Objekte” soziologischer Bezugnahme im Brennpunkt fachkonstitutiver Gegensätze: Mikro- trifft auf Makroanalyse, Theorien der funktionalen Differenzierung treffen auf Analysen sozialer Ungleichheit, quantitative Sozialstrukturanalyse trifft auf phänomenologische Wissenssoziologie, Korrelationsanalysen auf teilnehmende Beobachtungen. 

Die Konferenz verbindet vor diesem Hintergrund zwei Zugänge zur Analyse sozialer Milieus: 1) den Vergleich alternativer theoretischer Ansätze im Lichte der Frage gesellschaftlicher Differenzierung 2) methodisch variable empirische Sondierungen neuer Formen und Einbettungen sozialer Milieus.(Institut für Soziologie - WWU Münster) 

Hinweis

Unsere Mitarbeiter Prof. Dr. Peter A. Berger, Marlen Schröder und Thomas Käckenmeister werden auf dieser Konferenz einen Vortrag halten zum Thema: „Kulturkreative” im ländlichen Raum - (Paradoxe) Formen posttraditionaler Milieus auf dem Lande?". 

Weitere Informationen

siehe hierzu Call for Papers: Link

siehe hierzu Flyer zur Konferenz: Link

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23. bis 25. Juni 2011 - 27. Evangelischer Kirchbautag - Rostock

Gelber Raps, blaues Wasser, grüne Wiesen und dazwischen rote, backsteinerne Kirchtürme: das ländliche Mecklenburg-Vorpommern steht für Idylle pur. Was zehntausende Urlauber in jedem Sommer suchen – Stille, Landstraßen fast ohne Autos, verträumte Dörfer – stellt das Land und seine Menschen vor immense Probleme. Denn die weniger werdende Industrie und eine zunehmend technologisierte Landwirtschaft lassen seit Jahren die Zahl der Arbeitsplätze sinken. Der boomende Saisontourismus kann diese Entwicklung nicht kompensieren.  

Vor allem junge Menschen zieht es deshalb seit den 1990er-Jahren in Richtung Westen oder in die großen Städte; die Bevölkerungszahlen im ländlichen Raum sind inzwischen auf die des Jahres 1900 gesunken. Damit einher geht ein Zusammenbruch der Infrastruktur. Verwaltung, Schulen und Dienstleister ziehen sich zurück; das kulturelle Leben ruht auf den Schultern einer Minderheit.  

Und die Kirche? Wie kaum eine andere steht die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Mecklenburgs vor der Herausforderung und stellt sich dieser, ihre vielfältigen Aufgaben in einem sich entvölkernden Gebiet wahrzunehmen. Die Auswirkungen – sei es im seelsorgerischen Bereich oder im Denkmalschutz – sind gravierend, bieten aber auch für neue Konzepte Raum. So sind Pastorinnen und Pastoren einerseits für drei, fünf, neun, ja zwölf(!) Kirchen zuständig; andererseits organisiert eine Handvoll konfessionsloser Bürger das Geld für den Erhalt einer Feldsteinkirche, einfach weil diese zum Dorf gehört! Unter dem Motto „Kirchenraum – Freiraum – Hoffnungsraum“ widmet sich der 27. Evangelische Kirchbautag den Aufgaben und Chancen, die sich aus dem Bevölkerungsverlust und dem Strukturwandel des ländlichen Mecklenburgs ergeben. Es geht um Planungen, deren Grundlage nicht eine Expansion, sondern eine Kontraktion ist, die nicht das Aufbauen, sondern das Ab- und Umbauen beinhalten, ein „Dis-semble“, ein „Dis-invent“. Wie könnte eine Ästhetik des Wegnehmens, Wegstreichens, Weglassens aussehen?  

Theologen, Architekten, Stadtplaner, Soziologen und die interressierte Öffentlichkeit sind eingeladen, sich in Vorträgen, Diskussionen und Workshops aber auch bei Besuchen in kleinen Kirchgemeinden auszutauschen und Visionen zu entwerfen. Denn die Entwicklung im Hinterland der Ostsee ist durchaus als beispielhaft zu sehen, ähnliche Tendenzen gibt es bereits auch in Süddeutschland, in Holland, Österreich und der Schweiz.  

Die Evangelische Kirche in Deutschland, die Evangelisch- Lutherische Landeskirche Mecklenburgs, das Präsidium des Evangelischen Kirchbautags, das Land Mecklenburg-Vorpommern und die Hansestadt Rostock freuen sich auf die Teilnehmer des 27. Kirchbautages!(27. Evangelischer Kirchbautag)

Weitere Informationen

siehe hierzu Homepage der Tagung: Link

siehe hierzu Hörfunk- und TV-Beiträge des Nordeutschen Rundfunks (NDR): Link

siehe hierzu Homepage der Evangelisch- Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs (ELLM) und der Pommerschen Evangelischen Kirche (PEK): Link

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15. bis 17. Juni 2011 - Post-secular religious practices - Åbo / Turku (Finnland)

The theme we have chosen for the 22nd Donner Institute Symposium is Post-secular religious practices.

In the year 2008, the Donner Institute organized a symposium called “Post-modern spirituality”. This time we continue in a similar direction hosting a symposium entitled “Post-secular religious practices”. The field we are now interested in has not yet received a set terminology, a fact which is reflected in our description of the theme. This is a condition we will have to live with for some time still and which is likely to characterize the contributions at the upcoming symposium. Against this background, we accordingly suggest the following stipulative definition: “A post-secular society is that which combines a renewed openness to questions of the spirit with the habit of critical enquiry”. This conference will focus especially on practices related to health and well-being.

Relations between religiosities, post-secular practices and therapeutic care practices are becoming increasingly complex in contemporary Western society. People are more and more interested in blurring the boundaries between different sectors of knowledge and in juxtaposing scientific, religious, and therapeutic discourses and practices. Contemporary Western societies host multiple forms of religious or semi-secular self-help and therapeutic practices with their respective metaphysics. Moreover, many traditional as well as new religions today focus on health, empowerment, and well-being.

Today people more often take responsibility for regulating their lives the best they can in order to become and stay healthy, efficient, moral and flexible actors both in their private lives and in the labour market. A common feature of many religious and spiritual practices is the invitation to work with oneself, more specifically with one’s mind, body and spirit, as well as with one’s emotions, goals, values and relations.

This late modern orientation has been named, ‘the subjective or expressive turn of culture’. As a consequence, many people are today increasingly seeking a non-dualistic or holistic understanding of life and the human being, an understanding that would bring mind and body, or ‘nature’ and ‘spirit’, in unity. Some analyses of post-secular urban culture have depicted it in critical terms of, for instance, a disorienting character or disconnectedness, a lack of subjectivity or authenticity, a glorification of the superficial or as fragmentary, diffuse, and disassociated. This condition has been insightfully characterized as becoming ‘exhausted of being oneself’.

We welcome papers dealing theoretically with secularization and post-secularity in relation to relevant post-secular religious practices such as, for example, Mindfulness, Yoga, Charismatic healing, Meditation and other spiritual health and well-being practices. (Donnerska institutet)

Weitere Informationen

siehe hierzu Homepage der Tagung: Link

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14. bis 16. April 2011 - Ausdifferenzierungen von Religion und Politik - Münster

„Die Ausdifferenzierung von Religion und Politik“ steht im Mittelpunkt einer Tagung am Exzellenzcluster „Religion und Politik“. Vom 14. bis zum 16. April stellt sie eine der heute am häufigsten kritisierten Meistererzählungen der klassischen Moderne auf den Prüfstand: die Säkularisierungsthese. Dieser Test aus empirischer und theoretischer Sicht soll dabei nicht im interkulturellen sondern im historischen Vergleich erfolgen. Organisiert wird die Tagung von Prof. Dr. Karl Gabriel vom Cluster-Projekt C11 („Gewaltverzicht religiöser Traditionen“), von Dr. habil. Christel Gärtner, Nachwuchsgruppenleiterin an der Graduiertenschule des Exzellenzclusters, sowie von Prof. Dr. Detlef Pollack (Projekt C21: „Die Legitimität des religiösen Pluralismus“). Am Donnerstag, dem 14. April, spricht der Soziologe Prof. Dr. Hans Joas (Freiburg/Chicago) über „Gefährliche Prozessbegriffe: Eine Warnung vor der Rede von Differenzierung, Rationalisierung und Modernisierung“. Die öffentliche Abendvorlesung findet um 20.00 Uhr im Hörsaal F5 des Fürstenberghauses am Domplatz 20-22 statt.

Die Säkularisierungsthese gehört zum Kernbestand soziologischer Theorieentwürfe. In den letzten Jahren und Jahrzehnten nimmt jedoch die Kritik an ihren Grundannahmen zu. In Frage gestellt werden nicht nur ihr teleologischer und deterministischer Charakter und ihre normativen und eurozentrischen Implikationen. Kritik wird auch an ihren empirischen Behauptungen und ihren theoretischen Voraussetzungen und dabei insbesondere am Theorem der funktionalen Differenzierung geübt.

Die Referenten der Tagung stellen jeweils einem soziologischen Impuls eine historische Analyse zur Seite. Sie soll aufzeigen, auf welche Art und Weise sich das Verhältnis von Religion und Politik in den vergangenen Jahrhunderten verändert hat und ob es in der Tat berechtigt ist, von einer zunehmenden Differenzierung der beiden sozialen Sphären zu sprechen. (bhe)

Weitere Informationen

siehe hierzu Homepage der Tagung: Link

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