Demographischer Wandel und Handwerk in Mecklenburg-Vorpommern

Prognose über die Entwicklung des Übergabe und Nachfolgepotenzials von Handwerksbetrieben in Mecklenburg-Vorpommern vor dem Hintergrund der regionalen Bevölkerungsentwicklung bis zum Jahr 2020

Drittmittelprojekt mit den Handwerkskammern Mecklenburg-Vorpommerns

Das Handwerk mit seinen vielseitigen Wirtschaftsbereichen bildet mit seinen meist kleinen und mittleren Betrieben ein Kernstück der deutschen Wirtschaft. Dabei weist das Handwerk gegenüber der Industrie eine Vielzahl von strukturellen Besonderheiten auf, die es für eine spezifische Regionalpolitik interessant machen. Mit seiner regionalen Verankerung und Orientierung, ist das Handwerk ein wesentlicher und relativ stabiler Bestandteil regionaler Wirtschaftskreisläufe. Als Nachfrager von Arbeitspersonal ist das Handwerk insbesondere im ländlichen Raum und in Regionen mit geringer Industriedichte einer der wichtigsten Arbeitgeber.

Die zukünftigen Herausforderungen für das Handwerk lassen sich in folgenden Punkten zusammenfassen:

  • veränderte Wettbewerbsfaktoren durch den partiellen Wegfall des Meisterzwangs und damit neue Zugangskriterien zu den unterschiedlichen Gewerken
  • veränderte Wettbewerbsfaktoren und Wettbewerbsdruck durch die Niederlassungsfreiheit in der EU
  • technologiegetriebene Transformationsprozesse von handwerklicher Fertigung zu serieller Produktion
  • der Übergang von konventionellen Handwerk zum Dienstleistungsmanagement
  • wettbewerbsbedingte Zusammenschlüsse, um mehrere Gewerke aus einer Hand anbieten zu können
  • veränderte Qualitätsanforderungen der Kundschaft
  • demografisch bedingte Veränderungen in der Anbieter- und Nachfragestruktur

Für das Handwerk in Gesellschaften mit einem ansteigenden Durchschnittsalter gewinnt die Kenntnis demografischer Strukturen im unternehmerischen Markt- und Aktionsumfeld zunehmend an Bedeutung. Die Marktentwicklung, das Kunden- und Arbeitskräftepotential aber auch die zukünftige Unternehmensübergabe müssen vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung neu bewertet werden. Die Marktchancen werden sich durch den demografischen Wandel regionalspezifisch nachhaltig verändern. Dies wird in bestimmten Regionen zu sinkender Nachfrage führen, der in anderen Regionen wachsende Nachfrage gegenübersteht.

Mikro- und makroökonomisch relevant ist das Thema der Unternehmensnachfolge vor allem unter dem Aspekt der bestmöglichen Nutzung von Ressourcen. Im Falle der Schließung eines Unternehmens kann es zu Vergeudung von Ressourcen kommen, da Arbeitsplätze verloren gehen, und der Wert von Vermögensbestandteilen des betroffenen Unternehmens sinkt. Viele bestehende Arbeitsplätze könnten durch die Bewältigung der Unternehmensnachfolge gesichert werden. Regional betrachtet ist dies vor allem in peripheren Regionen bzw. Grenzregionen, in denen die Arbeiternehmer im Falle des Scheiterns der Unternehmensnachfolge beim Arbeitgeber nicht zu anderen Arbeitgebern „wechseln“ können, von grundlegender Bedeutung.

Als spezifische Besonderheiten und Rahmenbedingungen bei der Unternehmensübergabe im Handwerk ist bekannt, dass:

  • Unternehmen vergleichsweise klein und oft nach dem Ausscheiden des Inhabers nicht übergabefähig sind
  • die stark eigentümergeprägten Geschäftsabläufe die Übergabe an Dritte erschweren
  • die notwendigen strukturellen Veränderungen zu einem wesentlichen Teil über die Schließung und Neugründung von Unternehmen führen, während in der Industrie eher eine Neustrukturierung bestehender Unternehmen erfolgt

Ziel der Studie ist es, zu untersuchen, inwiefern die demografische Entwicklung Auswirkungen auf das Handwerk in Mecklenburg-Vorpommern hat. Dabei steht die regionale und sektorale Betrachtung der Handwerkswirtschaft im Zentrum dieser Untersuchung.

Die Bevölkerungsentwicklung in Mecklenburg-Vorpommern nimmt sich regional sehr unterschiedlich aus, was nicht ohne Folgen für die Nachfrage nach Handwerksleistungen wie auch den Arbeitsmarkt bleibt. Schwerpunkte der Untersuchung sollen dabei die Fragen nach der Entwicklung des zukünftigen Betriebsbestandes sowie des zukünftigen Nachfolge- und Übergabepotentials sein. Auf Grund der kleinteiligen Unternehmensgrößenstruktur in Mecklenburg-Vorpommern sowie der rechtlichen Rahmenbedingungen, wird sich der Übergabeprozess in den einzelnen Wirtschaftsbereichen und Regionen unterscheiden. Am Ende der Untersuchung sollen Aussagen über die demografischen Auswirkungen auf die Anbieterseite aber auch Nachfrageseite in Bezug auf zukünftige Unternehmensübergaben im Handwerk in Mecklenburg-Vorpommern getroffen werden.

1. Insbesondere sollen der Betriebsbestand sowie das Übergabe- und Nachfolgepotenzial bis zum Jahr 2020 prognostiziert werden

2. Gleichzeitig sollen Faktoren und Rahmenbedingungen ermittelt und beurteilt werden, die den Übergabeprozess beeinflussen. Dabei ist insbesondere der Vorbereitungsstand auf den demografischen Wandel zu berücksichtigen

3. Zu berücksichtigen sind außerdem Marktchancen für Handwerksbetriebe im Zusammenhang mit der demografisch alternden Gesellschaft

4. Schließlich sollen Maßnahmen und Unterstützungsangebote erfasst und im Gesamtkontext beurteilt werden mit dem Ziel, Handlungsempfehlungen für die Zukunft abzuleiten

Projektleiter: Dipl.-Demogr. Thomas Salzmann

Projektmitarbeiterin: Christina Westphal