FELICIE: Zukünftige Lebensbedingungen älterer Menschen in Europa: Wer wird die Pflege übernehmen?

Ziel des FELICIE-Projektes, dass von 2003 bis 2006 von der Europäischen Union im 5. Rahmenprogramm "Quality of life" gefördert wurde, war es, die Lebensumstände von über 75-jährigen Menschen in Europa für die nächsten dreißig Jahre vorherszusagen. Werden sie allein oder mit ihrem Partner leben, bei ihren erwachsenen Kindern oder in institutionellen Einrichtungen? Die Antworten auf diese Fragen ergeben sich aus einer Abschätzung ihrer Bedürfnisse mittels Evaluierung des zukünftigen Bedarfs nach Pflegeheimen und formeller und informeller häuslicher Unterstützung.

Wichtigster Faktor für ein unabhängiges Leben ist die Gesundheit. Die Anzahl der pflegebedürftigen Personen wird durch die Bevölkerungsalterung weiter ansteigen, ungeachtet dessen, ob die altersspezifische Gesundheit gleich bleibt oder sich weiter verbessert. Dieser Bevölkerungseffekt des Anstiegs der pflegebedürftigen Personen bei gleich bleibender altersspezifischer Gesundheit ist in Abbildung 1 für Deutschland dargestellt. Gleichzeitig verändern sich die Familienverhältnisse der älteren Bevölkerung. Die zukünftigen Pflegebedürftigen werden bis zum Jahr 2030 häufiger mit einem Partner zusammen leben und zu einem geringen Anteil kinderlos sein, als dies heute der Fall ist. Somit steigt das Potential, zu Hause gepflegt zu werden. Jedoch spielen die Bereitschaft zur Pflege und die Vereinbarkeit von Pflege, Familie und Beruf eine entscheidende Rolle. Viele Partnerinnen und Töchter – die Hauptpflegepersonen – werden in Zukunft stärker in den Arbeitsmarkt eingebunden sein. Die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und häuslicher Pflege muss durch die Pflegeversicherung und weitere sozialpolitische Unterstützungsmaßnahmen stärker ausgebaut werden.

Die generelle Leitung des FELICIE-Projekts oblag dem Institut National dÉtudes Démographiques (INED) in Paris. Die Partnerschaft bestand zwischen dem INED, der Université Catholique de Louvain, der London School of Health and Tropical Medicine, der London School of Economics and Political Science, den Universitäten von Florenz, Helsinki, Lissabon und Prag, dem Netherlands Interdisciplinary Demographic Institute (NIDI), der Fondation Nationale de Gérontoloie, und dem Max Planck Institut für Demographische Forschung in Rostock.

Die Hauptaufgabe des MPIDR im FELICIE-Projekt lag in der Analyse der Gesundheitsentwicklung älterer Menschen in Europa. 

Projektmitarbeiterin: Uta Ziegler

Publikationen:

  • Doblhammer, G.; Ziegler, U. (2006), Future Elderly Living Conditions In Europe: Demographic Aspects. in: G. M. Backes, V. Lasch, K. Reimann (Eds.), Gender, Health and Ageing. European Perspectives on Life Course, Health Issues and Social Challenges. Aus der Reihe: Alter(n) und Gesellschaft Bd. 13.
  • Doblhammer, G. Westphal, C., Ziegler, U. (2006) Pflegende Familienangehörige brauchen mehr Unterstützung - Bedarfsprognosen zeigen einen Anstieg häuslichen Pflegepotenzials in Deutschland bis 2030. Demografische Forschung aus Erster Hand, Jahrgang 3, Nr.4/2006
  • Gaymu, J.; Delbès, C.; Springer, S.; Binet, A.; Désesquelles, A.; Kalogirou, S.; Ziegler, U. (2006) Determinants of the living arrangements of older people in Europe. Eur J Population (2006) 22:241-262
  • Ziegler, U.; Doblhammer, G. (2007) Geschlechterdisparitäten in der familiären Lebenssituation Älterer und ihre Auswirkungen auf den zukünftigen häuslichen und institutionellen Pflegebedarf, Zeitschrift für Frauenforschung und Geschlechterstudien, 24.Jg, Heft 2+3. http://www.rostockerzentrum.de/publikationen/rz_diskussionpapier_9.pdf
  • Ziegler, U.; Doblhammer, G. (2005), Steigende Lebenserwartung geht mit besserer Gesundheit einher: Risiko der Pflegebedürftigkeit in Deutschland sinkt. Demografische Forschung Aus Erster Hand, 2:1, 1-2.

Working Papers

  • Ziegler, U.; Doblhammer, G. (2007), Reductions in the incidence of care need in West Germany between 1986 and 2005 Rostocker-Zentrum-Diskussionspapier. http://www.rostockerzentrum.de/publikationen/rz_diskussionpapier_12.pdf
  • Ziegler, U.; Doblhammer, G. (2005), Reductions in the incidence of care need in West and East Germany between 1991 and 2003: compression-of-morbidity or policy effect? IUSSP.
Entwicklung der Anzahl über 75-jähriger Pflegebedürftiger nach Alter, Geschlecht und Familienstand bei gleichbleibender altersspezifischer Gesundheit